Jahrgang 10 bekommt Informationen zur Seenotrettung aus 1. Hand

2022 02 SeawatchEnde Januar kehrte Marina Imsieke, dem CAG eher bekannt als Marina Frye, 12 Jahre nach ihrem Abitur zurück an ihre ehemalige Schule, um vor dem Jahrgang 10 von ihrer Arbeit bei der Seenotrettung im Mittelmeer zu referieren.

Nach ihrem Abi studierte die inzwischen promovierte Naturwissenschaftlerin an der Uni Oldenburg und der MHHannover, merkte aber schon bald, dass sie sich gerne mehr für die Interessen von Menschen in besonders schwierigen Situationen einsetzen möchte. Über Gespräche mit Freunden wurde sie auf die Organisation „Sea-Watch e.V. – zivile Seenotrettung an Europas Grenzen“ aufmerksam. Ihr Plan zu dem Zeitpunkt war es, einmal bei der Rettung in Seenot geratener Flüchtlinge mitzuhelfen. Schnell erkannte sie ihre Passion, anderen Menschen in Not zu helfen, und so hat sie inzwischen über ein Engagement bei der Vereinigung „Ärzte ohne Grenzen“ mehrere Missionen auf dem Mittelmeer bestritten und dabei vielfältige Erfahrungen gesammelt, die sie den interessierten SuS in eindrucksvoller Form schilderte.

In ihrem Vortrag erläuterte Frau Imsieke zunächst die brisante Situation in Ländern wie Libyen und dem daraus resultierenden Flüchtlingsstrom übers Mittelmeer in Richtung Europa. Dieser Versuch der Überwindung der „natürlichen Mauer“ vor der südeuropäischen Außengrenze fand in der jüngeren Vergangenheit für viele Menschen ein tödliches Ende, was die Dringlichkeit der Arbeit auf den Rettungsschiffen umso markanter werden ließ. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie auf der Sea-Watch 3. Dort lernte sie die Abläufe von Einsätzen kennen, z.B. woran man erkennt, wann ein Schiff in Seenot geraten ist, und wie die eigentliche Rettung funktioniert. Gefragt, ob sie und die Schiffscrew sich durch ihre Einsätze in Gefahr brächten, verneinte die Referentin im Wesentlichen, ließ jedoch durchblicken, dass die jeweiligen Einsätze physisch wie psychisch stark beanspruchend seien. In ihrer Funktion als Fahrerin schneller Einsatzboote sowie als Mechanikerin ist Frau Imsieke inzwischen regelmäßig auf der Sea-Watch 4, die es seit 2020 gibt, im Einsatz. Mit dabei sind immer auch ein Koch/Köchin, mehrere Mediziner, ein kleines Medienteam, Maschinisten und Elektroniker sowie sogenannte „Cultural Mediator“, die sie um die Verständigung mit den aufgenommenen Menschen kümmern.

Seit ihrer Gründung 2015 verfolgt die Seenotrettung, welche sich komplett durch Spenden finanziert, die ehrgeizige Vision, dass die Flüchtlinge sicher an Land kommen und möglichst niemand ertrinkt. Aufgabenbereiche für sie und ihre Crew im Rahmen ihrer Einsätze sind u.a. das gezielte Ansteuern der Schiffe, die Koordinierung der Einsätze und die medizinische Versorgung der Aufgenommenen inklusive der psychologischen Betreuung. Weitere Aktivisten und Aktivistinnen kümmern sich im Hintergrund um Aspekte wie die Finanzierung der Einsätze, die Organisation von Informationsveranstaltungen zur Bewusstmachung der Problematik sowie um juristische Fragen.

Sehr deutlich wurde im Rahmen der Veranstaltung, welche immensen Probleme es seit einigen Jahren im Umgang mit der Handhabung der Flüchtlingsströme an Europas Außengrenzen gibt, dass es immer wieder zu gravierenden Unfällen mit voll besetzen Booten kommt, und das die Rettung dieser Menschen eine große Herausforderung darstellt, welche die Referentin und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter mit großem Engagement und viel Herzblut annehmen.

Das ausgeprägte Interesse der SuS, die sich im Verlauf des vergangenen Schulhalbjahres im Rahmen ihres Politikunterrichts mit der Thematik befasst hatten, äußerte sich durch die vielfältigen, teils sehr tiefgründigen Fragen, die Marina Imsieke mit erkennbarer Freude beantwortete. Der Jahrgang 10 bedankt sich ganz, ganz herzlich für den spannenden Einblick in die Seenotrettung!

Text: Noemi Meyer (10Fa) / Hr. Garmann