„Jemand hat sich verschrieben“

Am 18. September hatten zwei Geschichtskurse des Jahrgangs 11 sowie eine 10. Klasse die Möglichkeit, der Zeitzeugin Frau Dagmar Lieblová aus Prag zuzuhören und ihr Fragen zu stellen. Frau Lieblová (Jahrgang 1929), die mit ihrer Familie in Kutna Hora, einer Kleinstadt in der Nähe von Prag aufwuchs, wurde, wie der Rest ihrer jüdischen Verwandtschaft, im Sommer 1942 in das KZ Theresienstadt (heute Tschechien) gebracht, von wo aus sie im Dezember 1943 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz (Polen) deportiert wurde.

Während ihre Eltern, ihre drei Jahre jüngere Schwester und weitere Familienmitglieder dort in den Gaskammern ihren Tod fanden, hatte die damals 15-jährige Dagmar unglaubliches Glück: Aufgrund eines Schreibfehlers, hatte man ihr Geburtsjahr falsch auf eine Liste geschrieben und sie hierdurch älter werden lassen. Als vermeintlich 19-jährige wurde sie nach Hamburg gebracht, wo sie Zwangsarbeit leisten musste. Die Befreiung durch die britischen Truppen erlebte sie dann im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Allerdings war sie aufgrund von Krankheit und Mangelernährung so geschwächt, dass sie erst nach zwei Jahren Aufenthalt in einem Sanatorium wieder ihr „normales“ Leben aufnehmen konnte. Auf die Frage, wie sie es geschafft habe, die Hoffnung in dieser schweren Zeit nicht zu verlieren, sagte sie, dass sie vor allem das Gefühl gehabt habe, ihr Leben noch gar nicht gelebt zu haben. Die Trennung von den Eltern und ihrer Schwester sei rückblickend das schlimmste Erlebnis für sie gewesen. Für sie stehe Auschwitz für ein „Riesengrab“, was auch ein Grund dafür sei, dass sie diesen Ort, der heute eine Gedenkstätte ist, nach einem einmaligen Besuch nie wieder betreten wollte.

Frau Lieblová besucht jedoch regelmäßig Gedenkveranstaltungen in Hamburg oder auch in Bergen-Belsen und Theresienstadt und hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem jungen Menschen von ihren Erlebnissen damals zu berichten. Bald werde es keine direkten Zeitzeugen mehr geben und dann sei es wichtig, dass Menschen, wie die CAG-SchülerInnen heute, zu ihren Familien und später zu ihren Kindern sagen könnten: „Ich weiß, was damals geschehen ist, weil ich Frau Lieblová kennengelernt habe.“

Das Zeitzeugengespräch wurde musikalisch begleitet von Herrn Hirschmann (Klavier) und Rika Bramlage aus dem 12. Jahrgang (Klarinette). Frau Ovelgönne-Jansen und Frau Lübbers sprachen die Gruß- und Dankesworte. Die anwesenden SchülerInnen stellten die Fragen, die Frau Lieblová alle sehr offen und eindrücklich beantwortete.

- Ines Kassner -

Bevor die Schülerinnen und Schüler Fragen stellten, zeigte Frau Dr. Lieblová einen Einführungsfilm über ihr Leben.

Aufzeichnungen des Gesprächs finden sich bei YouTube.

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