Der schuleigene Lehrplan für das Fach Latein in der Sekundarstufe I
Der schuleigene Lehrplan vermittelt einen kurzen Einblick in die wichtigsten Aspekte des Unterrichtsgeschehens. Detaillierte Informationen über die Progression der einzelnen Unterrichtswerke sowie der komplette Lehrplan für das Fach Latein finden sich unter folgenden Links:
Inhaltsübersicht ROMA: Kostenfreie Downloads s. https://www.ccbuchner.de/reihe/roma-a-363
Kerncurriculum für das Gymnasium: Schuljahrgänge 5-10 file:///C:/Users/Admin/Downloads/la_gym_si_kc_druck_2017-1.pdf
Allgemeines
Grundsätzlich geht es Lateinunterricht nicht nur um das bloße Vermitteln der lateinischen Sprache und geschichtlichen bzw. kulturellen Hintergrundwissens.
Wesentlicher Bestandteil des Lateinunterrichts ist ab dem ersten Lernjahr der Lateinschüler/innen ein intensives Bemühen um ein fundiertes Verständnis der deutschen Sprache - d.h. zumeist der eigenen Muttersprache - und daraus resultierend eine Verbesserung der Kompetenzen in der deutschen Sprache.
Diesem Zweck dient die Reflexion über grammatische Phänomene ebenso wie das Bemühen um eine nicht nur grammatisch korrekte, sondern auch sprachlich gelungene und inhaltlich treffende Übersetzung.
Ferner werden bei der Wortschatzarbeit grundlegende Kenntnisse über das Funktionieren von Wortbildung allgemein, d.h. nicht nur im Lateinischen, sondern auch im Deutschen (oder auch im Englischen), vermittelt. Außerdem wird der deutsche Wortschatz sowohl um seltener gebrauchte deutsche Begriffe (wie z.B. heimsuchen oder Hochmut) erweitert als auch vor allem um zahlreiche Fremdwörter, die aus dem Lateinischen stammen. Das Weiterleben lateinischer Vokabeln im Wortschatz anderer europäischer Sprachen (vor allem des Englischen, das alle Schülerinnen und Schüler lernen) wird ebenfalls regelmäßig aufgezeigt.
Zudem beschränkt sich der Lateinunterricht nicht auf die bloße Vermittlung geschichtlich oder kulturell relevanter Inhalte; in der Regel schließt sich ein intensiver Vergleich mit der eigenen Gegenwart und Erlebniswelt an, die oft auf den ersten Blick ganz anders wirkt als die Antike, aber bei genauerem und vor allem kritischem Hinsehen erstaunlich viele Parallelen aufweist – so z.B. die Vergleichbarkeit antiker Sklaverei mit der Ausbeutung von Arbeiter(inne)n in Billiglohnländern nicht nur durch Konzerne, sondern auch durch das eigene Kauf- und Konsumverhalten.
Die methodischen Vorgehensweisen orientieren sich an den jeweiligen Lerninhalten und Lerngruppen.
Im Vordergrund steht das Unterrichtsgespräch. Grundsätzlich wird aber ebenso viel Wert auf das selbstständige Erarbeiten von Inhalten gelegt wie auf deren Vermittlung durch die unterrichtende Lehrkraft. Die Gruppenarbeit nimmt vor allem bei der selbstständigen Arbeit einen großen Raum ein. Dabei wird zwischen der Arbeit in leistungsgemischten und leistungsgleichen Gruppen, im letzteren Fall mit entsprechender Binnendifferenzierung der Arbeitsaufträge, gewechselt.
Wenn die Textinhalte dies erlauben, werden gern auch szenische Darstellungen der behandelten Texte oder Rollenspiele in den Lateinunterricht integriert.
Zunehmend findet die Arbeit mit digitalen Medien ihren Platz im Lateinunterricht:
Wir benutzen zum einen die Lernsoftware Navigium, für die eine Schullizenz angeschafft wurde, die unseren Lateinschüler(inne)n auch die Nutzung von Zuhause aus erlaubt. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: In erster Linie wird Navigium zum Lernen von Vokabeln genutzt, die von der unterrichtenden Lehrkraft eingegeben werden; ebenso ist aber auch das Training von Grammatik und eine Unterstützung bei der Lektürearbeit mit dieser Software möglich.
Beim Unterrichtswerk ROMA kann außerdem am Smartboard mit einer click&teach-Software gearbeitet werden.
Ferner ist gerade bei der selbstständigen Vertiefung besprochener kulturhistorischer Inhalte sowie für die Beurteilung ihrer Gegenwartsrelevanz die Internetrecherche unerlässlich. Auch veranschaulichendes Material (u.a. auch DVDs sowie Ausschnitte aus Dokumentationen) wird regelmäßig eingesetzt.
Schuleigener Lehrplan für das Unterrichtswerk ROMA
Im Schuljahr 2018/19 ist im Lateinunterricht der 6. Klassen das Unterrichtswerk ROMA eingeführt worden, das alle inhaltlichen Vorgaben des neuen Lehrplans, der seit dem Schuljahr 2017/18 in Kraft getreten ist, erfüllt und der Kompetenzorientierung desselben entspricht.
Nach Meinung der Fachkonferenz Latein führt dieses Unterrichtswerk die Grammatik sinnvoll strukturiert und systematisch ein, weist eine angemessene Begrenzung von Vokabeln und in der Regel auch ihrer Wortbedeutungen auf und enthält neben vielen, abwechslungsreichen Übungsmöglichkeiten ansprechende und altersgerechte Texte. Insgesamt ist das Unterrichtswerk sehr schülergerecht aufbereitet und weist eine so behutsame Progression im Bereich von Lexik und Grammatik auf, dass es unseren Lateinschüler(inne)n bei einem angemessenen Lernverhalten nicht schwerfallen dürfte, dem Unterrichtsgeschehen bequem zu folgen. Trotz der eher gemächlichen Progression sind die Anzahl der Lektionen und der Umfang der Lektionstexte so gestaltet, dass dieses Unterrichtswerk innerhalb der vom Lehrplan vorgesehenen Zeitspanne in aller Regel machbar ist und genügend Zeit zum Üben und Wiederholen von Lerninhalten lässt.
Jahrgang 6
Deklinieren:
Die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden kurz "SuS") lernen die Formen der fünf Kasus in der a-, o- und konsonantischen Deklination.
Konjugieren:
Die SuS lernen die aktiven Indikativ-Präsens-Formen der a-, e-, i- und konsonantischen Konjugation (inklusive der gemischten Konjugation) sowie von "esse".
Sonstiges:
Auch der AcI wird am Ende der Klasse 6 vermittelt.
Speziell in der 6. Klasse lassen wir uns viel Zeit für das Erläutern und Üben nicht nur lateinischer, sondern vor allem auch deutscher Grammatikphänomene, da letztere den SuS in zunehmendem Maße nicht mehr hinreichend vertraut sind.
Ferner thematisieren wir intensiv das Lernen von Vokabeln und Grammatik: Verschiedene Lerntechniken werden vorgestellt und auch im Unterricht wiederholt erprobt.
Auf diese Lerntechniken wird in den Folgejahren immer wieder verwiesen; bei Bedarf werden sie nochmals kurz erläutert oder geübt.
Allgemein greifen wir vor allem in den ersten beiden Lernjahren sowohl bei der Lexik als auch bei der Grammatik gern auf spielerische Übungsformen zurück, wie z.B. Zuordnungs- oder Ratespiele (Memory, Pantomime, Montagmaler u. ä.).
Ferner kann sowohl im Unterricht als auch (mittels der erworbenen Schullizenz) zuhause ein digitaler Vokabeltrainer genutzt werden. Die Software erlaubt den SuS auch das Trainieren grammatischer Formen. Die Nutzungsmöglichkeiten werden im Lateinunterricht am Smartboard vorgestellt und geübt. Während bei der gemeinsamen Arbeit im Unterricht spielerische Übungsformen (Zuordnen oder multiple choice) bevorzugt werden, werden für die Arbeit daheim klassische Abfrageformate gezeigt und empfohlen.
Auch in den folgenden Lernjahren können und sollen diese digitalen Lernmöglichkeiten weiterhin genutzt werden.
Bis zum Ende des Jahrgangs 6 haben die SuS etwa 280 Vokabeln gelernt.
Inhaltlich geht es im ersten Lernjahr um ausgewählte Aspekte des römischen Alltaglebens wie Familie, Sklaven und Wagenrennen; eingebettet ist diese thematische Einheit in eine spannende Kriminalgeschichte. Im zweiten Halbjahr geht es um römische Mythologie.
Am Ende des Jahrgangs 6 sollte die 7. ROMA-Lektion abgeschlossen sein.
Jahrgang 7
Deklinieren:
Die SuS lernen vor allem die Adjektive der i- Deklination und die Paradigmen wichtiger Pronomina. Auch die e- Deklination wird am Ende des Schuljahres besprochen.
Konjugieren:
Die SuS lernen vor allem die Indikativformen der restlichen Tempora mit Ausnahme des Futur II im Aktiv und Passiv. Dabei werden weitere Infinitive gelernt und dadurch die Bandbreite der Zeitverhältnisse beim AcI erweitert.
Sonstiges:
Weitere Lerninhalte sind die Reflexivpronomen und das Verb „ire“.
Bis zum Ende des Jahrgangs 7 haben die SuS etwa 280 Vokabeln gelernt.
Bereits gelernter Wortschatz sowie Grammatikstoff werden unter Anleitung des Fachlehrers regelmäßig wiederholt. Dies gilt auch für alle folgenden Lernjahre.
Inhaltlich geht es im zweiten Lernjahr um das Schicksal der Stadt Pompeji und um Episoden aus der römischen Frühgeschichte; daran schließen sich erneut mythologische Inhalte an.
Am Ende des Jahrgangs 7 sollte die 13. ROMA-Lektion abgeschlossen sein.
Jahrgang 8
Der grammatische Schwerpunkt liegt in der Klasse 8 auf der Vermittlung und dem intensiven Üben von Partizipialkonstruktionen, die in der Regel von den Schülerinnen und Schülern als "schwer" empfunden werden.
Deklinieren:
Neben kleinen Ergänzungen zur 3. Deklination wird die Palette wichtiger Pronomina um „hic“ und „ille“ erweitert.
Konjugieren:
Es werden nun auch die passiven Formen aller bisher gelernten Tempora vermittelt. Ferner werden die Konjunktivformen des Imperfekts und Plusquamperfekts vermittelt sowie deren Verwendung im Irrealis sowie in Nebensätzen.
Es sind in diesem Lernjahr ca. 270 neue Vokabeln zu lernen.
Nach der Fortführung mythologischer Inhalte steht im 3. Lernjahr die römische Geschichte im Mittelpunkt.
Am Ende des Jahrgangs 8 sollte die 19. ROMA-Lektion abgeschlossen sein.
Jahrgang 9
Bis zum Ende der 9. Klasse sollte die Spracherwerbsphase abgeschlossen sein.
Der erste grammatische Schwerpunkt liegt auf der Vervollständigung der Konjunktivformen und ihrer Verwendung im Nebensatz. Die ausführliche Besprechung der verschiedenen Konjunktivfunktionen im Hauptsatz wird im Jahrgang 9 ausgeklammert und an das Ende des Jahrgangs 10 verlagert, da dieses grammatikalische Phänomen in der Lehrbuch- bzw. Lektürephase der Klassen 9 und 10 in der Regel keine nennenswerte Rolle spielt und erst bei der Cicerolektüre im Jahrgang 11 relevant wird. Somit schlössen sich die Vertiefung des Konjunktivs im Hauptsatz und sein Vorkommen in der Lektüre nahtlos aneinander an. Der Umgang mit Konjunktivfunktionen im Hauptsatz, die in den Texten des Jahrgangs 9 vorkommen, wird im Stil der Nutzung einer Systemgrammatik erfolgen, so dass dieser im Jahrgang 10 relevante Lehrplanaspekt hier bereits im Kleinen geübt wird.
Weitere wichtige grammatische Phänomene, die im Anschluss an die Konjunktivformen behandelt werden, sind die Steigerungsformen, Deponentien und nd-Formen zu nennen.
Es sind in diesem Lernjahr ca. 270 neue Vokabeln zu lernen. Mit der Einführung des digitalen Wörterbuchs sollte am Ende des Schuljahres begonnen werden, um den Einstieg in die Leketürephase zu entlasten.
Inhaltlich treten in den Lektionstexten Themen aus der griechischen Antike in den Vordergrund und - vorbereitend zur Caesarlektüre im Jahrgang 10 - auch die Person Caesars. Passend dazu findet im Jahrgang 9 eine Exkursion in das Römermuseum in Haltern statt, die die militärische Ausrüstung und das Leben der römischen Soldaten illustriert.
Am Ende des Jahrgangs 9 sollte die ROMA-Lektion 24 abgeschlossen sein.
Jahrgang 10
Im Jahrgang 10 ist die Spracherwerbsphase abgeschlossen. Kleinere Ergänzungen bzw. Erweiterungen der Grammatik (z.B. NcI, fieri, prädikativer Gebrauch des Gerundivums) werden im Rahmen der Lektürephase an geeigneter Stelle vorgenommen. Auf Grund eines Beschlusses der Fachkonferenz werden die verschiedenen Funktionen des Konjunktivs im Hauptsatz erst am Ende der 10. Klasse vermittelt.
Der eigentliche Fokus liegt in dem Jahrgang 10 auf der Originallektüre: Die SuS sollen mittels leichterer Originaltexte einen Einblick in verschiedene Aspekte der lateinischen Literatur erhalten.
Bei allen Klassenarbeiten wird nun ein digitales lateinisch-deutsches Wörterbuch benutzt, dessen Gebrauch bereits im zweiten Halbjahr der 9. Klasse eingeführt werden kann und dessen korrekte Verwendung im Unterricht der 10. Klasse durchgängig eingeübt wird.
Ferner wird den SuS der selbstständige Gebrauch einer Systemgrammatik vermittelt und geübt. Letztere dient auch der regelmäßigen selbstständigen Wiederholung von grammatischen Kenntnissen.
Über die Art der Wiederholung des Vokabulars und der Erweiterung desselben um einen autorenspezifischen Wortschatz entscheidet die unterrichtende Lehrkraft. In jedem Fall muss am Ende der 10. Klasse ein Grundwortschatz von ca. 1000 Vokabeln sowie ein autoren- bzw. themenspezifischer Aufbauwortschatz beherrscht werden.
Auch bei der Originallektüre kann die Software Navigium sinnvoll eingesetzt und von den SuS selbstständig zuhause als Hilfestellung bei dem Auffinden von Vokabeln und bei der Formenanalyse eingesetzt werden.
Als verbindlichen Autoren hat die Fachkonferenz für den Jahrgang 10 Caesar festgelegt; die Dauer der Caesarlektüre und die weitere Lektüreauswahl ist in das Ermessen der unterrichtenden Lehrkraft gestellt, die sich in der Regel an den Bedürfnissen und Interessen der jeweiligen Lerngruppe orientieren wird. In jedem Fall muss sich der Schwierigkeitsgrad weiterer gelesener Autoren an den Vorgaben der exemplarischen Autorenauswahl des Lehrplans richten: vgl. KC (file:///C:/Users/Admin/Downloads/la_gym_si_kc_druck_2017-1.pdf), S.21: Abschluss Kleines Latinum.
Im Rahmen der Originallektüre erfolgt auch ein Einstieg in die Verwendung sprachlich-stilistischer Mittel. Neben deren Kenntnis wird vor allem über die Funktion, die diese Gestaltungsmittel im Textzusammenhang erfüllen, reflektiert. Auf diese Weise wird zum einen die rhetorische Kompetenz, zum anderen aber auch die Fähigkeit, rhetorische Finessen zu erkennen und zu durchschauen, geschult.
Bei der Originallektüre im Jahrgang 10 tritt die selbstständige Arbeit der SuS deutlich in den Vordergrund. Zunehmend sollen komplexere Satzstrukturen eigenständig analysiert werden und dabei bei Bedarf selbstständig eine Systemgrammatik und/oder ein zweisprachiges Wörterbuch zu Rate gezogen werden. Am Ende dieses Prozesses soll eine adäquate Übersetzung des Originaltextes stehen, die anschließend interpretiert und diskutiert werden kann.
Neben der analysierenden, übersetzerischen und interpretierenden Textarbeit tritt die Vermittlung kulturellen Hintergrundwissens zum gelesenen Autoren, zur behandelten Literaturgattung und den inhaltlichen Bereichen.
Bei der Casarlektüre werden sowohl die Biographie des Autors selbst sowie sein zeitliches Umfeld, die spezifischen Charakteristika seiner Commentarii und zentrale inhaltliche Aspekte (wie z.B. das bellum iustum oder die Romanisierung) thematisiert und kontrovers diskutiert.
Am Ende des Jahrgangs 10 haben alle SuS mit ausreichenden Lateinkenntnissen (Note 4) ein Kleines Latinum erreicht.
Der Beitrag des Faches Latein zu einer nachhaltigen Entwicklung
Folgende Themen sind für die Bildung zum Zwecke einer nachhaltigen Entwicklung geeignet und werden i.d.R. im Lateinunterricht an gegebener Stelle thematisiert, wobei die Auswahl der Aspekte sowie der Umfang und die Tiefe der Auseinandersetzung je nach Alter und Struktur der Lerngruppe variieren.
Am Beispiel der durchgängig im Lateinunterricht präsenten Thematik „Sklaverei in der Antike“ auf die Problematik von Billigproduktion und unfairer Entlohnung eingegangen; anhand der Behandlung von Sklaven, aber auch Proletariern in der Antike kann dabei der heutige Umgang mit Obdachlosen oder Flüchtlingen angesprochen und das Verständnis von Menschenwürde reflektiert werden.
Ebenso kann ausgehend von der sozialen Ungerechtigkeit und Ignoranz der Mächtigen in der späten römischen Republik und den Reformbemühungen der Gracchen (z.B. ROMA Lektion 16) ein Vergleich mit der derzeitigen Situation sowohl in Schwellenländern als auch in Teilen Europas angestellt werden.
Auch eine kritische und vor allem relativierende Reflexion über die Rolle der Frau in der Antike im Vergleich mit der heutigen, aber auch der Situation in anderen geschichtlichen Epochen und/oder Ländern ist an vielen Stellen im Lateinunterricht möglich.
Im Rahmen der Caesarlektüre können ferner die Themenbereiche „Propaganda und Krieg“ vertieft werden.