Bunt und überzeugend: Das Sommerkonzert von JazzTeens und Cajazzo „Bunt!“

2019 05 PlakatCAJAZZO

Das war wohl der erste optische Eindruck vieler Besucherinnen und Besucher des Konzerts von „JazzTeens“ und „Cajazzo“ am Freitag, dem 21.6. Der Weg zur Aula des CAG war mit zahllosen Plakaten, Flyern und Hinweisschildern für das Schulfest am folgenden Tag gepflastert. „Frucht-Cocktails“, „Crêpes“, „Tanzen“, „Sommerspiele“ wurden da unter anderem beworben – und eine „Kissenschlacht!“. Das Jazz-Konzert am Vorabend sollte als Einstimmung auf das Fest dienen und passte auf wunderbare Weise zu dem bunten Bild der Flure. Was die musikalische Entsprechung einer „Kissenschlacht!“ wäre, ist zugegebenermaßen etwas unklar. Ansonsten aber entsprach der musikalische Eindruck exakt dem optischen: Bunte Vielfalt, Leckereien, Spaß und Freude, sommerliche Leichtigkeit.

Los ging es mit den „JazzTeens“ und viel Groove. „Good time“ gab die Richtung vor: Das Publikum hatte an diesem Abend definitiv eine „gute Zeit“. Das Nachwuchs-Ensemble war beinahe in voller Bigband-Besetzung und mit Percussion angetreten. So wurden treibende Rhythmen, satte Tutti-Passagen mit bemerkenswerter Präzision und vielfältige Solo-Einlagen möglich. Nach dem swingenden „Cupid Shuffle“ bot der Klassiker „On Broadway“ von George Benson Raum für gelungene Soli von Julia Göken (Trompete), Jakob Moormann (Posaune) und Rebecca Wille (Saxofon). Es war beeindruckend, wieviel „Jazz-Feeling“ bereits in den Darbietungen der Nachwuchs-Musiker steckte.

Spätestens bei dem 60er-Jahre-Hit „I’m a Believer“ wurde vollends deutlich, wie sehr sich die Band im vergangenen Schuljahr weiterentwickelt hat. Den Song hatten sich die Schülerinnen und Schüler ebenso wie das folgende, vor allem rhythmisch extrem fordernde „Blue Beamer“ gewünscht: „Ein kleineres Repertoire genügte diesmal nicht – und es sollte etwas Anspruchsvolles sein“, erzählte Bandleader Thomas Stanko. Herausforderung gesucht, gefunden und bravourös gemeistert! Souverän und temporeich beendeten die „JazzTeens“ ihren Auftritt: Die Mischung aus rollender Basslinie und funkelnden Bläsersätzen bei Michael Jacksons „Billy Jean“ machte einfach Spaß.

Wohl auch, um den „JazzTeens“ genügend Raum zu bieten, hielten „Cajazzo“ den ersten Teil ihres Programms relativ kurz. Was hier geboten wurde, war eine Art Ouvertüre, mit der schon einmal die bunte Vielfalt der späteren Titel angedeutet wurde. Zugleich wurden aber auch erste Highlights präsentiert. Zum zehnjährigen Jubiläum hatte die Bigband einen besonderen Gast: Janos Loeber, feste Größe der Hamburger Jazzszene, aber auch Rapper und Kopf der Gruppe „Flooot“ und seit Jahren Dozent der Cajazzo-Workshops, verstärkte für diesen Abend das Ensemble. Sommerlich entspannt und mit viel lateinamerikanischem Temperament eröffnete der „Soul Bossa Nova“ von Quinci Jones das Programm. Bei ihrem Saxofon-Solo setzte Ewa-Lotte Spils zudem ein erstes Ausrufezeichen in Sachen Ausdrucksstärke und technische Brillanz.

Mit „That’s how we roll“ von Gordon Goodwin machten die Musikerinnen und Musiker anschließend deutlich, dass sie an diesem Abend auch Lust auf Vollgas hatten: Boogie, Swing und Rockelemente verbanden sich hier zu einem überzeugenden Groove. Das Saxofon-Solo von Laura Scheper, die ihren ersten Auftritt mit Cajazzo feierte, wurde zu Recht mit kräftigem Applaus belohnt.

In Richtung „cool – funky – groovy“ (Zitat Thomas Stanko) ging es weiter. „Hip hug her“, ein Song von „Booker T. and the MGs“, erinnerte an 60er-Jahre-Filme mit gepflegten weißen Anzügen, reichlich Drinks und schicken Abendkleidern. Eva Scholz sorgte mit ihrem Trompeten-Solo für den nötigen Glamour oder (um bei dem Film-Thema zu bleiben) für die glitzernden Pailletten auf den schon angesprochenen Abendkleidern. Mit einem Ausflug in sommerliche Traumwelten begann der zweite, deutlich längere Teil des Programms: „Land of Make Believe“ von Chuck Mangione lud mit viel Pop-Appeal zum Entspannen und Genießen ein – nicht zuletzt dank der herausragenden Darbietung von Trompeter Anton Wesenick.

Erinnerungen an den Film „Blues Brothers“ drängten sich hingegen bei der anschließenden Ansage auf. „Wir haben beide Sorten: Country und Western“ hatte das legendäre Duo einst behauptet. Die Aussage entsprach zwar nicht der Wahrheit, sicherte aber einen weiteren Auftritt. „Cajazzo“ machte hingegen keine leeren Versprechungen. Die Bigband kündigte auch nicht nur zwei, sondern gleich drei Sorten an. Und die Rede war nicht von „Country und Western“, sondern von Swing.

Mit „Blues in Hoss Flat“ wurde zunächst die klassische Variante zelebriert: Mittleres Tempo, „Walking Bass“, gediegener Bigband-Sound. Zeitlos schön und mit virtuosen Features für Pia Wiemann (Saxofon) und einmal mehr Anton Wesenick. „Up time swing“ ist bei Jazzmusikern eine Umschreibung für „einfach Gas geben“. Genau dies taten „Cajazzo“ im zweiten Teil der Swing-Trilogie: „The Blues Walk“ des leider sehr früh verstorbenen Clifford Brown entführte in die 50er Jahre: Volles Tempo, knackige Bläsersätze, Spielfreude und natürlich Präzision, ohne die diese Art von Musik nicht ihre volle Wirkung entfalten kann. Das Fehlen einer Gitarre, das von Thomas Stanko in der Moderation beklagt wurde, störte dabei nicht wirklich: Insbesondere das Können von Jannis Dieckmann (Trompete), Laura Dega (Klavier) und Jonah Auer (Posaune) machte das Stück zu einem besonderen Klangerlebnis. Als Kontrastprogramm wandten sich die Musikerinnen und Musiker anschließend der Königsdisziplin des Swing zu: Der Swing-Ballade. Wenn höchstes Niveau angestrebt wird, bedeutet „langsam“ nicht „einfach“, sondern „größte Herausforderung“. Jeder Ton muss überzeugend interpretiert werden. Bei „Dreamsville“ von Henry Mancini standen dabei nicht einzelne Solisten im Mittelpunkt, sondern die Band als Ganzes. Perfekt aufeinander abgestimmt, extrem ausdrucksstark und vor allem mit ganz viel Gefühl – genau so muss langsamer Swing gespielt werden.

Natürlich durfte in einem bunten Sommerkonzert auch die Art von Songs nicht fehlen, für die „Cajazzo“ in den vergangenen Jahren ein ganz besonderes Talent gezeigt hatte: Rhythmisch komplexe Nummern mit viel Groove. Mit „Backlash“ von Donald Picket wurde dem „Fusion Jazz“ der 70er-Jahre gehuldigt. Schlagzeuger Jannis Polinski zeigte hier ebenso sein herausragendes Können wie Jannis Dieckmann und Pia Wiemann mit ihren Solo-Parts.

Noch mehr Arbeit für den Schlagzeuger (die natürlich erneut äußerst souverän erledigt wurde) brachte „Sign me up“ von Mike Kamuf: Funky, rhythmisch komplex, mitunter auch wild. Dazu das fast schon obligatorische Posaunen-Solo von Jonah Auer: „Cajazzo“ ließen hier einmal mehr keine Wünsche offen.

Der bekannte Hit „We are family“ von Sister Sledge sollte schließlich das Konzert beenden und zugleich zum Schulfest am nächsten Tag überleiten: Sind wir nicht alle eine große Schulfamilie, in der man sich auch mal streitet, sich eigentlich aber lieb hat? Auf der Bühne wurde natürlich vor allem die Harmonie in den Vordergrund gestellt: Perfekte Tutti, dazu die eingängige Melodie: Alles bestens in der Familie!

Dass die Bigband des CAG nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen durfte, verstand sich von selbst. Und so kam das Publikum in den Genuss einer besonderen Jazz-Ballade: „You raise me up“ wurde einerseits sehr gefühlvoll und mit feinen Nuancen, andererseits aber auch fast als Hymne interpretiert. Herausragend dabei: Pia Wiemanns Spiel am Saxofon und die Stimme von Miriam Kaiser.

Leider sind die beiden nur zwei von sehr vielen verdienten „Cajazzo“-Mitgliedern, die dieses Jahr ihr Abitur abgelegt haben. Hier geht eine Musiker-Generation, die der Schule über Jahre hinweg große Freude bereitet hat. In diesem Sinne: Einen großen Applaus und ein großes Dankeschön für wirklich magische musikalische Momente!

 

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